Geologie:

Geologie Österreichs: Österreich hat mit den Alpen (Ostalpen) Anteil am alpinen Gebirgssystem. Dieses besteht aus verschiedensten Gesteinen der Europäischen und der Afrikanischen Platte, die sich in der Jurazeit auseinander und ab der Kreidezeit wieder zueinander bewegten (Konzept der Plattentektonik). Durch ”Kollision” der Platten kam es zur mehrphasigen Gebirgsbildung (hauptsächlich in der Kreide- und der Tertiärzeit) und zur Auffaltung und Übereinanderschiebung (“Stockwerkbau”) der Gesteinsserien.

Durch Erosion treten tiefer liegende “Stockwerke” des Alpenkörpers zutage (“Tauernfenster”), dies ermöglicht die Erforschung des internen Gebirgsbaus. Nach den wesentlichen Gebirgsbildungsphasen entstanden im alpinen Gebirgskörper Becken (Wiener Becken, Steirisches Becken, Mur-Mürz-Furche, Klagenfurter Becken, Lavanttaler Becken) im alpinen Gebirgskörper. Das bedeutendste davon ist das Wiener Becken mit seinen reichen Erdöl- und Erdgasvorkommen in den Sedimentgesteinen.

Mit dem Wald- und Mühlviertel (Böhmisches Massiv) hat Österreich auch Anteil am variszischen Gebirgssystem, das heute als eingeebnetes Plateau die Reste eines Gebirgssystems aus dem Erdaltertum (Paläozoikum) darstellt. Hier befindet sich auch das älteste Gestein Österreichs, der Bittescher Gneis (1,38 Milliarden Jahre).

Zwischen der Böhmischen Masse im Norden und dem Alpenkörper im Süden befindet sich die  Molassezone, welche aus deren Abtragungsprodukten (Sedimenten) besteht. Im Zuge der letzten Gebirgsbildungsphasen  in der Jungtertiärzeit wurden südliche Teile der Molassezone noch vom Alpenkörper überschoben. Die letzte Prägung erfuhren die Alpen und die Molassezone durch die zusammenhängende dicke Eisbedeckung während der Eiszeiten im Quartär.

Die Alpen

Alpen (keltisch “alb” = hoch, “alpa” = Gebirge), ziehen sich in einem Bogen (1200 km lang, 150-250 km breit) vom Golf von Genua bis zur Donau (Fläche 220.000 km2). Der österreichische Anteil an den Alpen, die rund 2 Drittel der Fläche Österreichs einnehmen, umfasst den größten Teil der Ostalpen, in den Karnischen Alpen und Südkarawanken auch nördliche Teile der Südalpen, deren geologische Grenze zu den Ostalpen entlang des Gailtals und durch die Karawanken verläuft. Die Ostalpen werden in Österreich in die Nordalpen und die Zentralalpen gegliedert, deren Grenze durch die Linie Klostertal- Arlberg- Inntal- Salzachtal bis Zeller See- Wagrainer Höhe- oberes Ennstal- Schoberpass- Mürztaler Alpen- Semmering- südliches Wiener Becken gegeben ist.

Am Aufbau der Ostalpen sind, wie in den gesamten Alpen, Gesteine aller Art aus allen Erdzeitaltern enthalten, die in komplizierten Prozessen während der alpinen Gebirgsbildung vom Jura bis in die jüngere Tertiärzeit hauptsächlich durch Deckentektonik zu einem Hochgebirge wurden. Dabei erfolgte eine Einengung der geologischen Räume um viele 100 km im Zuge plattentektonischer Prozesse. In jüngerer geologischer Zeit führte die Erosion im Norden den Abtragungsschutt dem Meer der Molassezone im Alpenvorland zu, im Osten und Süden dem Wiener Becken und dem pannonischen Becken. Schließlich gab die Eiszeit den Alpen ihr heutiges Aussehen.

Die vorherrschenden Gesteinsarten bestimmen das Landschaftsbild. In den aus kristallinen Gesteinen bestehenden Zentralalpen mit den höchsten, im Westen meist vergletscherten Gipfeln bilden Granit und Gneis geradlinige Kämme, Schiefer gezackte Grate, Glimmerschiefer und Quarzphyllit sanftere Formen. In den Nordalpen fallen – von Süden nach Norden – die paläozoischen Schiefer der Grauwackenzone durch die Alm- und Waldböden auf, denen sich gegen Norden die Nördlichen Kalkalpen mit ihren Kalkhochplateaus und den im Nordosten allmählich waldreichen Mittelgebirgscharakter annehmenden Kalkvoralpen anschließen. Die sandsteinreiche Flyschzone schließlich bildet den Abschluss gegen das Alpenvorland.

Der Großglockner (3797 m), Österreichs höchster Berg, und der 20 km2 große Pasterzengletscher liegen in den Hohen Tauern. Daneben gibt es in den österreichischen Alpen fast 1000 Gletscher und rund 860 “Dreitausender” (davon rund die Hälfte in den Ötztaler und Stubaier Alpen (zum Beispiel Wildspitze 3774 m, Zuckerhütl 3507 m).

Die Alpen sind eine wichtige Klima- und Wasserscheide. Die westlichen und nördlichen Ränder werden durch Westwinde stärker vom atlantischen Klima mit reichen Niederschlägen, der östliche Teil durch das trockene pannonische Binnenklima Ungarns und der Südabfall vom milden Mittelmeerklima geprägt. In den Randzonen und den Höhen fallen mehr Niederschläge (2000-3000 mm) als im Inneren und im Osten. Manche Täler und Becken sind ausgesprochen trocken. Bis zur Höhe von etwa 2400-2800 m nehmen Häufigkeit und Menge der Niederschläge zu, dann wieder ab. In abgeschlossenen inneralpinen Becken treten “Kaltluftseen” mit Inversion auf.

Die höchste Getreidegrenze findet sich in den Hohen Tauern auf 1524 m, Weinbau wird am Alpenostrand betrieben, in Föhngebieten wachsen Mais und Edelobst. An die Kulturzone schließt die Laub- und Mischwaldzone an (Buche, Schwarzföhre und andere), ihr folgen die Nadelwaldzone (Fichte, Tanne, Lärche, Zirbelkiefer), der 200-300 m breite Krummholzgürtel (Legföhre oder Latsche, Grünerle) und die Almregion. Die Waldgrenze liegt bei 1400-1970 m, die Baumgrenze bei 1500-2100 m Höhe. Zwischen 2700-2900 m beginnen die Gletscher.

Die Alpen sind reich an Pässen und Übergängen. Die Längstäler sind meist breit und offen, siedlungs-, wirtschafts- und verkehrsbegünstigt (Salzach-Ennstal-Furche, Drautal), während die Quertäler enger und schwerer besiedelbar sind. Eine wichtige Verkehrsleitlinie ist die Mur-Mürz-Furche mit der Verbindung Wien- Semmering- Mürz- Mur- Klagenfurter Becken nach Oberitalien.

Während im westlichen Teil der Fremdenverkehr wirtschaftlich dominiert, wurde im östlichen Teil die ostwärts gegen den Semmering ziehende eisenerzhältige Grauwackenzone für Eisen- und Stahlindustrie genutzt. In den Hochtälern überwiegen Holzverarbeitung und Viehhaltung.

Die Wahrnehmung der Schönheit der Alpen und deren touristische Erschließung setzten im 19. Jahrhundert mit den Anfängen von Bergsteigen und Skisport ein. Der Fremdenverkehr (zweisaisonal, aber vor allem im Winter) entwickelte sich zum wichtigsten Wirtschaftszweig der Alpenregion.